SURINAME

Suriname

Maria Sibylla Merian kommt 1699 in dem lateinamerikanischen Land an, dass sie nur vom Hörensagen kennt.

Suriname befand sich im 17. Jahrhundert in einem von den europäischen Kolonialmächten begehrten Gebiet. Mit Zugang zum Atlantischen Ozean im Norden, im Süden angrenzend an Brasilien, im Westen an Französisch-Guyana und im Osten an Guyana, kann man schon erahnen, dass das Gebiet nicht gerade spannungsfrei war.

 

Die Kriege auf dem europäischen Festland, meist zwischen den reformierten Mächten wie England und Holland auf der einen und den katholischen Mächten wie Frankreich und Spanien auf der anderen Seite, führten auch immer wieder zu Konflikten in den überseeischen Gebieten.

 

Maria Sibylla schaffte es gerade noch, wenn auch vor allem durch ihre Krankheit bedingt, ihre Heimreise anzutreten, bevor ein neuer kriegerischer Konflikt die Überfahrt zu einem noch größeren Risiko hätten werden lassen, den es aufgrund des Wetters und umherstreunender Piraten sowieso schon war.

 

Suriname blieb bis 1975 niederländische Kolonie und ist seitdem ein unabhängiger Staat.

 

Die meisten Surinamer*innen sprechen noch immer Niederländisch.

Das Sranantongo ist heute die nach Niederländisch am meisten gesprochene Sprache in Suriname. Sie ist eine Kreolsprache, eine Mischung aus portugiesisch, englisch, niederländisch und verschiedenen afrikanischen Sprachen. Suriname wurde durch die Kolonialisierung und den Sklavenhandel zu einem Schmelztiegel an Kulturen und Religionen.

Niederländisch ist noch immer die einzige Verwaltungssprache Surinames. Sranantongo ist neben Niederländisch, die wichtigste Verkehrssprache.

 

WIC

Die WIC war eine privatrechtliche Firma mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben, die sich vor den Staten-Generaal van de Nederlanden, verantworten musste.

 

Die Staten-Generaal van de Nederlanden war nach dem Achtzigjährigen Krieg (1568–1648) das höchste Gremium in der jetzt unabhängigen Republiek der Verenigde Provinciën der nördlichen Niederlande, die so ungefähr der heutigen Niederlande entsprechen (die südlichen, katholischen Provinzen entsprechen mehr oder weniger dem heutigen Belgien).

 

Sozusagen der Verwaltungsrat bestand aus den Heren X, den Herren Zehn. Er formte sich aus vier Mitgliedern der Stadt Amsterdam, zwei Mitgliedern aus Zeeland, und jeweils einem Mitglied aus den Kamers van Maze (Rotterdam, Delft und Dordrecht), Noorderkwartier (Hoorn) und Stad en Lande (Groningen). Der zehnte Sitz war für die Staten-Generaal reserviert.

 

Die WIC war vor allem dafür da, Handel mit den westlichen Kolonien Hollands Handel zu treiben. Aber auch, um die Einflusssphäre der Holländer in diesen Gebieten zu sichern und gegebenenfalls auszubreiten. Es ging also wie so oft sowohl um wirtschaftliche, als auch um politische Interessen.

 

Sie wurde 1721 gegründet, wurde aber nie so erfolgreich, wie ihr Pendant für die Gebiete östlich von Holland, der Vereenigde Oostindische Companie, die vor im asiatischen Raum (zum Beispiel Indonesien) unterwegs war.

Die Malaise ging sogar soweit, dass sie 1674 aufgelöst wurde, um dann nur ein Jahr später, 1675 wieder ins Leben gerufen zu werden.

 

Die WIC hatte nach ihrer Neugründung das Monopol auf den Handel und die Schifffahrt mit West-Afrika südlich des Wendekreises des nördlichen Wendekreises, Amerika, Neufundland und der Magellanstraße.

 

Dabei kristallisierte sich der sogenannte Dreieckshandel zwischen Westafrika, den Kariben und den Amerikas als wichtigste Handelsroute.

 

Diese transatlantischen Handelsfahrten starteten ihre Dreiecksfahrt in Holland. Sie fuhren nach Westafrika und nahmen dort afrikanische Sklaven auf, die sie ins karibische Gebiet, nach Guyana und Suriname brachten.

 

Aus diesen Ländern nahmen sie Produkte wie Elfenbein, Gold, Farbstoffe, Tabak Biberfelle und aus Suriname vor allem Zuckerrohr – und nach Merians Zeiten vor allem auch Kaffeebohnen – wieder zurück in die Niederlande.

 

Ein Dreieckshandel, der vor allem Amsterdam sehr reich machte – auf dem Rücken vieler Tausender, vor allem afrikanischer Sklaven, die die Holländer auf ihren Schiffen in einen anderen Kontinent weit weg von ihrer Heimat brachten und sie dort auf den Plantagen zur Arbeit zwangen.

 

Sociëteit van Suriname

1683 wurde die Sociëteit van Suriname (Sozietät von Suriname) gegründet. Damit galt die Sociëteit als Eigentümerin des Landes.

Diese Gesellschaft hatte drei Anteilseigener zu jeweils gleichen Teilen, als da wären die WIC, die Stadt Amsterdam und die Familie van Aerssen van Sommelsdijk.

Cornelis van Aerssen van Sommelsdijk wurde zum ersten Gouverneur von Suriname benannt. Dies blieb er, bis er von seinen eigenen, meuternden und alkoholisierten Soldaten 1688 in seiner Amtsstube ermordet wurde.

Cornelis van Aerssen van Sommelsdijk war der Bruder von Maria, Lucia und Anna.

Diese drei unverheirateten Schwestern waren alle drei Sektenmitglieder bei den Labadisten, zu der zeitweise auch Maria Sibylla Merian gehörte.

Das Schloss Waltha in Wieuwerd, in dem die Labadistengemeinde lebte, gehörte Cornelis van Aerssen van Sommelsdijk. Er verkaufte die Walta-state an seine drei Schwestern, die es daraufhin der Sekte zur Verfügung stellten.

 

 

Paramaribo

Die größte Stadt Surinames im Norden des Landes liegt dreiundzwanzig Kilometer den Strom Surinam stromaufwärts vom Atlantik entfernt.

Als Cornelis van Aerssen van Sommelsdijk dort 1683 ankam, bezeichnete er den Ort als „Flecken“, der aus „sieben- bis achtundzwanzig Häusern, die meisten davon Herbergen und Schmucklerkneipen“ bestand.

1699, als Maria Sibylla Merian in Paramaribo ankam, war die Stadt in der Zwischenzeit gehörig gewachsen und standen dort bereits einige Hundert Häuser, aber wohl immer noch weniger als fünfhundert.

Der Unterschied mit Amsterdam musste für Maria Sibylla Merian auch deswegen enorm gewesen sein.

Immerhin, auch hier gab es eine calvinistische und eine protestantische Kirche, eine portugiesische und eine deutsche Synagoge.

Beherrscht wurde der Ort vom Fort Zeelandia. Hier befand sich das Zentrum der Kolonie.

Vom Meer her kommend schob sich das Fort wie eine kleine Landzunge, wie ein Schutzwall aus Steinen vor den Ort.

Dahinter standen am Surinam entlang, die Häuser. Vor den Häusern befand sich die Waterkant, heute würde man sagen, das Boulevard.

Davor ankerten die Schiffe in der Mitte des Flusses.

Paramaribo war das politische und militärische Zentrum der Kolonie. Hier kamen die Handelsschiffe aus Holland an, und auch die Schiffe, die auf Dreieckshandelsfahrt fuhren. Hier wurden die afrikanischen Sklaven an Land gebracht.

Danach wurden die Schiffe mit Zuckerrohr beladen.

Erst nach Maria Sibylla Merians Zeit begann man hier auch Kaffee anzubauen.

Mit dem Zucker konnte man am meisten verdienen, und so wurde in Monokultur angepflanzt.

Die Gier ging sogar soweit, dass man auch Lebensmittel aus Holland importieren musste. Selbst der Wein musste aus Holland herangeschafft werden, obwohl in Suriname Weinranken wuchsen.

Das machte die kolonialen Bewohner äußert abhängig von den Schiffen, die aus Holland kamen. Wurden Schiffe vor ihrer Ankunft von Piraten gekapert und in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt, gab es auch keine neue Ware, Werkzeuge, Nahrungsmittel usw.

Außerdem konnten Schiffe, die nicht kamen, den Rohrzucker auch nicht mitnehmen, was wiederum Einkommensverluste nach sich zog.

 

 

Plantagen

Paramaribo war das politische Zentrum Surinames. Das Geld aber wurde in den Plantagen verdient.

Suriname bestand und besteht noch immer zum allergrößten Teil aus Urwald.

Um zu den Plantagen zu gelangen, war man auf Boote angewiesen. Noch immer ist das oft das einzige Transportmittel ins Hinterland.

Manche der Eigentümer der Plantagen waren vor Ort. Oft waren es aber auch reiche Amsterdamer, die Suriname nie gesehen hatten, und darum Verwalter auf ihren Plantagen eingesetzt haben.

Suriname war bei den Kolonialherren nicht gerade beliebt. Das feucht-heiße tropische Klima machte ihnen zu schaffen, und nicht wenige erkrankten oder starben gar an der Schlechte-Luft Krankheit, die heute Malaria genannt wird.

 

 

Sklaverei

Auf den Plantagen musste die Arbeit von Sklav*innen verrichtet werden. Die übelste Arbeit war die auf den Zuckerrohrfeldern. Hierfür wurden fast ausschließlich afrikanische Sklav*innen gezwungen. Einheimische Sklav*innen, oder wie sie damals genannt wurden, Indianer, taugten dafür nicht. Sie weigerten sich. Und ihr Vorteil war, dass sie das Land kannten, dass sie im Urwald überleben, und deshalb auch flüchten konnten. Sie wurden meist im Haus oder um das Haus herum zum Arbeiten eingesetzt.

Sklav*innen war es verboten, Niederländisch zu lernen. Am Sonntag waren sie frei (auf jüdischen Plantagen am Samstag), und durften dann auch die Plantage für Besuche auf anderen Plantagen verlassen.

Meist durften sie für den Eigenbedarf Gemüse und Obst pflanzen, solange es nicht ihre Arbeit beeinträchtigte.

Versklavte Frauen durften nicht schwanger werden. Das vermieden sie aber sowieso so viel wie möglich, da sie nicht wollten, dass ihre Kinder in Gefangenschaft und unter diesen Umständen leben mussten.

Die Sklav*innen waren der Willkür ihrer Aufseher vollkommen ausgeliefert. Letztere konnten strafen wen und wann sie wollten.

Es gab in Suriname aber auch freie und freigelassene Afrikaner*innen und Einheimische.

Wer bei der Flucht erwischt wurde, wurde brutal zugerichtet. Das Durchtrennen der Achillessehne, die eine nochmalige Flucht verhindern sollte, war da wahrscheinlich noch der geringste Schmerz.

Tatsächlich gelang es aber einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Sklav*innen von den Plantagen zu fliehen und sich im Urwald zu verstecken und niederzulassen. Sie wurden Maroons genannt. Da sie auf der einen Seite wichtige Güter zum Überleben benötigten, die Holländer sie aber auf der anderen Seite auch nicht besiegen konnten, einigte man sich schließlich darauf, dass die Maroons weiterhin im Urwald leben durfte und begann miteinander Handel zu treiben.

Die Sklaverei wurde erst am 1. Juli 1863 abgeschafft. Allerdings mussten die Sklav*innen, ab diesem Zeitpunkt noch für zehn Jahre als bezahlte Kräfte auf den Plantagen arbeiten. Erst dann waren sie wirklich frei zu gehen und zu stehen wo sie wollten.

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