METAMORPHOSIS INSECTORUM SURINAMENSIUM

 
Metamorphosis insectorum Surinamensium

Die Metamorphosis insectorum Surinamensium oder Die Veränderung der Surinamischen Insekten

 

Maria Sibylla Merian wollte unbedingt die Raupen und Schmetterlinge in Suriname selbst sehen, untersuchen, zeichnen und beschreiben.

 

Ihr ging es darum, die Tiere in ihrer eigenen Lebenswelt, ihrem eigenen Biotop, wie wir heute sagen würden, zu beobachten.

 

Die reichen Sammler hatten in ihren Raritätenkabinetten zwar die größten und die schönsten Exemplare auf eine Nadel gespießt ausgestellt. Sie wussten, aus welchem Land sie kamen und mit etwas Glück wussten sie auch noch deren Namen. Aber sie hatten keine Ahnung von den Lebensumständen der Tiere.

 

Und genau darum ging es Maria Sibylla Merian. Sie wollte nicht nur schöne Schmetterlinge malen. Sie wollte die Tiere in ihren verschiedenen Stadien, ihre Metamorphosis, auf Deutsch Veränderung, untersuchen und malen.

 

Deshalb wollte sie unbedingt nach Suriname. Die Schmetterlinge einfach abzeichnen, dass hätte sie auch in den diversen Raritätenkabinetten in Amsterdam gekonnt. Aber wirklich etwas über die Tiere erfahren konnte sie nur vor Ort.

 

Ihr großer Verdienst war es, dass sie erkannte, dass bestimmte Raupen nur von bestimmten Pflanzen aßen. Dass also bestimmte Raupen und dann auch Schmetterlinge (oder genauer gesagt Imagos) nur deshalb bestanden, weil es diese Pflanzen gab.

Das war zur Zeit Merians noch eine recht neue Erkenntnis. Und Maria Sibylla Merian machte das zum ersten Mal, dank ihrer Kupferstiche und Zeichnungen, so richtig deutlich.

Daraus folgte, dass Flora und Fauna, also Pflanzen- und Tierwelt miteinander verbunden sind, dass in der Natur alles mit allem zusammenhängt.

Maria Sibylla Merian fand für das Buch, dass sie über Suriname schreiben wollte, weder Subventionen, noch einen Verleger.

Sie wollte dieses Buch aber unbedingt machen, und so entschied sie sich dafür, das Buch selbst herauszugeben. Darum bemühte sie sich, Interessierte zu finden, die sich im Vorhinein festlegten, dass Buch bei erscheinen zu kaufen (Subskription) und schon im Voraus (wenigstens einen Teil) des Kaufpreises zu bezahlen (Crowdfunding würden wir das heute auf Neudeutsch nennen).

Das lief eher suboptimal. Maria Sibylla Merian wollte das Buch eigentlich gleich in mehreren Sprachen ehrausgeben. Aber in Deutschland gab es nur dreizehn Subskribenten und auch in England lief es nicht gerade Sturm. Die erste Auflage erschein deshalb auf Niederländisch und Lateinisch.

 

Obwohl Maria Sibylla Merian sich immer in Geldsorgen befand, entschloss sie sich, zu klotzen und nicht zu kleckern: Ihr Buch sollte im großen Folioformat erscheinen, weil sie wollte, dass wie in ihren vorigen Büchern auch, die Schmetterlinge in der Originalgröße abgebildet werden.

 

Das Buch sollte heißen

Metamorphosis insectorum Surinamensium ofte Verandering der Surinaamsche Insecten

und wurde ihr Opus magnum.

 

Denn nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht, auch künstlerisch gesehen war die Metamorphosis ein echtes Highlight.

Manche Linien hat Maria Sibylla Merian mit nur einem einzigen Haar eines Pinsels gezogen, so fein und filigran sind ihre Zeichnungen. Ihre Farben gelten als brillant und zeigen sich auch bis auf den heutigen Tag noch in voller Pracht.

 

Noch immer gelten ihre künstlerischen Arbeiten, worunter auch die Metamorphosis fällt, als unübertroffen und sind in Museen in der ganzen Welt zu bewundern.

Die noch bestehenden Exemplare der Metamorphosis dagegen, liegen durchweg in Tresoren von Universitäts- oder naturkundlichen Bibliotheken und sind nur auf Anfrage in speziellen Lesesälen zu einzusehen.

 

Maia Sibylla Merian war auch Geschäftsfrau.

So verkaufte sie ihre Metamorphosis in drei verschiedenen Ausgaben:

Die billigste, für 18 Gulden, bestand nur aus den schwarzen Linien der Kupferstiche.

Das entsprach dem Jahresgehalt(!) eines Matrosen.

Für 45 Gulden gab es eine illustrierte Ausgabe, was bedeutete, dass die Abbildungen mit (deckenden) Wasserfarben farbig ausgemalt wurden.

Für stolze 75 Gulden schließlich hatte sich Maria Sibylla Merian etwas Besonderes ausgedacht. Sie machte von den gedruckten Kupferstichen einen Umdruck, auch Abklatsch genannt. Dabei nimmt man das gerade bedruckte Papier und legt ein anderes Papier darüber.

Dadurch nimmt auch dieses Papier die schwarze Farbe auf, aber wesentlich weniger als beim direkten Druck. Das Schwarz wirkt dadurch sanfter und auch an den Rändern weniger scharf. Der Druck ist dann seitenverkehrt, oder besser gesagt, genauso wie auf der Kupferplatte (der eigentliche Abdruck ist gespiegelt).

Diese Blätter wirkten dadurch mehr als ein Gemälde, nachdem sie mit (deckenden) Wasserfarben bemalt wurden.

Maria Sibylla Merian verkaufte diese Ausgaben denn auch als gemalte Ausgaben. Immerhin hat sie dafür Farben aus hochwertigeren Pigmenten verwendet.

In allen drei Editionen war der Text, gedruckt in schwarz, jeweils identisch.

 

Übrigens war auch die Gestaltung des Buches ein Meilenstein. Die Anordnung jeweils einer Textseite und dieser gegenüber eine seitengroße Abbildung, sparte nicht nur Papier, sondern auch Druckkosten ein. Nach der Metamorphosis haben viele Autoren und Drucker diese Buchgestaltung übernommen.

 

Mit dem Erscheinen der Metamorphosis war Maria Sibylla Merian auf dem Höhepunkt ihres Könnens und ihrer Karriere als Wissenschaftlerin und Künstlerin.